AKTUELL

VORWORT

Seite knapp zwei Jahrzehnten bewegen wir uns in der Rheumatologie, journalistisch, und wir verlegen seit mehr als zehn Jahren die Zeitschrift „Rheuma Management“, dem offiziellen Mitteilungsorgan des BDRh. Natürlich bleibt uns als Beobachter dabei nicht das Defizit in der Versorgung von Rheumapatienten verborgen. Einerseits fehlen Rheumatologen, auf der anderen Seite stellen wir fest, dass das Assistenzpersonal in den Praxen ein großes Potenzial für die Unterstützung der ärztlichen Tätigkeit darstellt, wobei die rechtlichen Restriktionen berücksichtigt werden müssen.

Aber das inzwischen großartige Angebot – bedingt durch das große Engagement der Fachgesellschaft, des Berufsverbands, der Rheumaakademie und der Bundesärztekammer – können MFAs eine Fortbildung zur RFA und diese zur RFAplus machen und das Tätigkeitsfeld der Delegierbarkeit von ärztlichen Leistungen hat sich vergrößert und bekam eine Rechtssicherheit.

Dieses hat uns bewogen, vor allem der RFA eine Kommunikationsplattform zu bieten, nämlich eine Zeitschrift „RFA aktuell“. Auf dieser sollen sowohl der Arzt und die Zielgruppe RFA die Möglichkeit des sachlichen Austauschs bekommen, Themen für die RFA wie Weiter-/Fortbildung, Delegationsleistungen, RFA-Sprechstunden, Erfahrungsaustausch und viele weitere angeboten werden.

Die erste Ausgabe präsentierten wir zum 18. BDRh-Kongress in Berlin (28./29.4.2023), die zweite zum DGRh-Kongress in Leipzig (30.8.-2.9.2023) und im Februar 2024 erschien die Ausgabe 1/2024. Im Juni und Oktober 2024 folgen die nächsten Ausgaben.

MEINE ERFAHRUNG MIT DER DELEGATION

Interview mit RFA Patricia Steffens-Korbanka

FRAU PATRICIA STEFFENS-KORBANKA, RFA IN OSNABRÜCK, SPRICHT ÜBER DEN MEHRWERT DER DELEGATION


Frau Steffens-Korbanka, können Sie uns in kurzen Worten Ihren Werdegang zur RFA und zur Übernahme einer RFA-Sprechstunde beschreiben?
Ich arbeite seit 1994 in der „rheumapraxis an der hase“ in Osnabrück und habe 2006 die Weiterbildung zur RFA gemacht. Nach der Ausbildung haben wir im Praxisteam gemeinsam überlegt, welchen Mehrwert die Weiterbildung für mich aber auch für die Praxis haben könnte. Durch meine langjährige Tätigkeit als Study Nurse habe ich viele Gespräche mit Patienten führen dürfen und fand große Freude daran, Patienten zu betreuen und zu begleiten. Daher habe ich die Idee eine RFA-Sprechstunde mitgestalten zu dürfen, als Herausforderung und als besondere Aufwertung meiner Arbeit gesehen.

Wie hat Sie Ihr „Chef“ unterstützt?
Die Idee eine RFA-Sprechstunde in unserer Praxis durchzuführen, war von Anfang an ein Teamprojekt von Ärzten und RFAs. Bei begrenzten ärztlichen Zeitressourcen sind die Terminwartezeiten stark gestiegen. Mit Hilfe der RFA-Sprechstunde ist es uns gelungen, die hochwertige Versorgung unserer Patienten sicherzustellen und die gewonnene ärztliche Zeit für Notfallpatienten und Frühsprechstunden einzusetzen. Daher war und ist die Unterstützung und Akzeptanz der Ärzte hoch.

Wie organisieren Sie eine RFA-Sprechstunde?
Unsere RFA-Sprechstunde richtet sich an Patienten mit rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis oder ankylosierender Spondylitis mit stabiler Einstellung. In einem klar strukturierten Gespräch frage ich die Patienten, wie die letzten drei oder sechs Monate ihrer rheumatologischen Erkrankung verlaufen sind, ich untersuche die Krankheitsaktivität und die Beweglichkeit. Und natürlich ist auch etwas Zeit in dem Gespräch, einmal darüber zu sprechen, ob gerade Dinge im Leben eine Rolle spielen, die die Patienten zusätzlich belasten könnten. In einem kurzen Gespräch wird dann der Rheumatologe über den Stand der Dinge informiert und kommt zu einem abschließenden Gespräch dazu.

Die Patienten profitieren sehr von diesem Konzept. Sie haben einen weiteren persönlichen Ansprechpartner und mehr Zeit, ihre Beschwerden und Wünsche vorzubringen, als in einem zeitlich begrenzten Arztkontakt. Dies bewerten die Patienten als sehr positiv.

Welche Hürden galt es zu Beginn im Umgang mit den Patienten zu überwinden?
Es gab erstaunlich wenige Hürden durch unsere Patienten. Im Gegenteil, die Patienten haben die RFA-Sprechstunde gerne angenommen und empfinden die gemeinsame Betreuung durch RFA und Rheumatologen als Gewinn. Das ärztliche Gespräch vor der ersten RFA-Sprechstunde mit Hinweis auf diese etwas andere Versorgungsform ist essenziell. Besonders der Hinweis auf eine gemeinsame Versorgung durch RFA und Rheumatologen sollte hervorgehoben werden.


IHR RESÜMEE


Die RFA-Sprechstunde läuft mittlerweile seit gut 8 Jahren in unserer Praxis und ist inzwischen Routine. Wir haben unsere RFA-Sprechstunden in den letzten Jahren noch weiter ausgebaut und neue Projekte mit Ärzten und RFAs konzipiert und initiiert, darunter eine Treat-to-target-Sprechstunde und eine Erstkontaktsprechstunde mit strukturierten Instrumenten. Diese stoßen ebenfalls auf große Akzeptanz und verbessern die individuelle Versorgung der Patienten.

Frau Steffens-Korbanka, vielen Dank für dieses Gespräch.